Ist die Welt zu schnell oder der mensch zu langsam?

© lassedesignen

Das Internet hat sich in den letzten Jahren ganz schön entwickelt. Und nicht nur das Netz, sondern auch die Geräte, auf denen die Inhalte ausgeliefert werden. Während vor einigen Jahren ein C64 noch ein teures Highlight in den Zimmern der Nerds war, ist es heute ganz normal ein Smartphone bei uns zu tragen, dass die Möglichkeiten des längst ausgedienten C64 bei weitem übersteigt. Die Masse an Brandneuen Gadgets, Geräte und sozialen Netze scheint noch zu steigen. Mittlerweile gibt immer mehr Neuigkeiten aus den Büros der Entwickler. Dies geschieht in einer so hohen Geschwindigkeit, dass wir viele der neuen Entwicklungen gar nicht mehr wahrnehmen. Dennoch möchte ich hier mal die Frage in den Raum werfen: Ist der Mensch tatsächlich zu langsam oder gar die Entwicklung zu schnell?…
Bevor es Facebook überhaupt gab, waren schon andere soziale Netzwerke auf dem Markt. Bis 2004 galt Friendster als größtes social Network, bis es von MySpace überholt wurde. Später spachen die Macher des letztlich erfolglosen Friendster davon, dass die Menschen einfach noch nicht so weit gewesen seien.
Nun vermutet man das Gleiche bei der Datenbrille von Google. Schon bevor die Brille überhaupt auf den Markt gekommen ist, spekulieren die Medien darüber, dass die Menschheit noch nicht bereit ist für ein solches Gadget.
Wenn ich mir mal den Spaß mache und im Bekanntenkreis herumfrage, ob Foursqare, Vine, Manteresting oder Klout bekannte Programme sind, erwecken die Reaktionen in mir den begründeten Verdacht, dass viele neue Entwicklungen einfach ungesehen an uns vorbeigehen.

Ältere Menschen scheinen den Kampf mit den immer neueren Tools längst aufgegeben zu haben. Hieraus hat sich bereits der Begriff der „Digital Natives“ (digitale Eingeborene) entwickelt, mit dem man die Jugendlichen benennt, die mit den neuen Medien aufwachsen. Jedoch liegt dies dem Trugschluss zu Grunde, die Digital Natives würden in einer Welt aufwachsen, in der all das Neue nicht mehr neu ist. Das stimmt nämlich nur zum Teil, denn es kommt ja unaufhörlich Neues hinzu. Digital Natives wachsen vielmehr mit der Tatsache auf, sich immer wieder an Neues gewöhnen zu müssen.
Doch auch an ihnen geht einiges vorbei. Denn auch die jüngeren Generationen werden mit Klout und Vine nur wenig anzufangen wissen. Und an dieser Stelle wird es wirklich interessant. Wenn ein Digital Native mit ständigen Neuerungen aufwächst, warum kennt er die neuesten Tools dann nicht? Weil sie ihn nicht interessieren!

Die Wahrheit sieht anders aus, als es mancher in einer Bierlaune gern zu berichten weiß. Es ist tatsächlich nicht unbedingt so, dass die neuesten Entwicklungen an uns vorbeigehen, weil wir „einfach noch nicht so weit sind“. Es ist vielmehr so, dass wir Menschen immernoch über geschmack verfügen. Nur weil jemand ein Tool entwickelt, das er für sinnvoll hält, müssen wir es nicht auch für sinnvoll halten. Wenn uns die Datenbrille von Google nicht gefällt, werden wir sie nicht kaufen – und das hat nun wirklich nichts damit zu tun, ob die Menschheit nocht nicht so weit ist.

Wir sind bereit für Neues, aber wir picken uns die Rosinen aus dem Kuchen der Vielfalt! Schließlich sind wir nicht blöd. Aber wir wissen, was wir brauchen und was nicht. Apple hat es in seinem alten Slogan gut zur Sprache gebracht: „Es gibt für alles eine App“. Richtig. Und wir werden uns die Apps laden, die wir brauchen.

Abschließend

Wir sollten aufhören immer Angst davor zu haben irgendetwas zu verpassen. Und die Entwickler sollten aufhören uns vorzuwerfen wir seien noch nicht so weit. All das, was uns nützt, was Spaß macht oder anderweitig gefällt, wird seinen Weg zu uns finden. Den Rest haben wir vielleicht verpasst, aber wir haben ihn auch nie wirklich gebraucht.
Und wenn uns die Medien und das Internet doch einmal zu schnell erscheinen, können wir uns immernoch darauf besinnen, dass die Welt immernoch die Alte ist.

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