Schleichwerbung auf Facebook kann für Unternehmen zum Problem werden

Schleichwerbung auf Facebook kann für Unternehmen zum Problem werden

© kebox

Bereits im November hat das Landgericht Freiburg in einem Fall entschieden, dass es sich bei dem konkreten Post um Schleichwerbung handelt. Zwei Monate dauerte es dann, bis die Urteilsverkündung nun vorgelegt wurde. In diesem Fall hat der Mitarbeiter eines Autohauses die Fahrzeuge seines Arbeitgebers über seinen privaten Facebook-Account angepriesen. Diese Posts stufte das Gericht als Werbung ein. Zahlen muss nun das Autohaus, auch wenn es nichts von dem Post gewusst hat. Bisher ist dieses Urteil zwar das einzige Beispiel dieser Art, jedoch sind sich die Juristen einig, die Richter hätten korrekt entschieden. Das hat nun natürlich Auswirkungen auf die Unternehmen. Die wichtigste Frage ist, ab wann es sich bei einem privaten Post um Schleichwerbung handelt…

Was ist zukünftig die Aufgabe des Arbeitgebers?

Wir haben solche Posts alle schon gelesen oder sogar selbst verfasst: „Hey Freunde, heute ist bei uns Tag der offenen Tür. Kommt doch alle vorbei“ oder „Ab sofort kann man unseren Service auch in Hamburg nutzen“. Solche Beiträge werden zwar von über die privaten Profile gepostet, letztlich handelt es sich jedoch um Werbung für das eigene Unternehmen. Und viel wichtiger ist die etwaige Abmahnfähigkeit wettbewerbswidriger Werbung, die für Unternehmen unter Umständen teuer werden kann. Denn auf der Suche nach dem Schuldigen gilt in diesem Fall der Grundsatz „cui bono“ (wem nutzt es). Die Werbung nutzt letztlich dem Umsatz des Unternehmens, welches demnach auch eine mögliche Strafzahlung zu leisten hat. Auch wenn es von den Beiträgen seiner Mitarbeiter nichts gewusst hat.
Ab wann handelt es sich also um Werbung? Dies richtig einzuschätzen, kann unter Umständen für Unternehmen sehr wichtig werden. Es wird also zukünftig die Aufgabe der Arbeitgeber sein, alle angestellten aufzuklären, um den Verdacht auf Schleichwerbung gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Wie war es in dem aktuellen Fall?

Bei den Juristen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass das Landgericht Freiburg richtig entschieden hat. Da dies weitreichende Auswirkungen haben könnte, möchte ich einmal genau aufzeigen, was das Gericht zu diesem Urteil bewegt hat:

  • Der Charakter des Posts war sehr offensichtlich.
  • Der Beitrag enthielt die Preise der Fahrzeuge.
  • Die Motorisierung war auch enthalten.
  • Als Kontakt war die Büro-Nummer des Mitarbeiters angegeben.
  • Der Post enthielt ein Foto des Verkaufsraumes.

Was ist Werbung und was nicht?

Solange es noch keine weiteren Urteile in dieser Richtung gibt, ist dies äußerst schwer einzuschätzen. Unternehmen werden es nicht verhindern können, dass beispielsweise ein Sennheiser-Mitarbeiter schreibt, dass er mit seinen Kopfhörern zufrieden ist. Es könnte allerdings einen Unterschied machen, ob ein Ingenieur dies schreibt, oder ein Mitarbeiter aus dem Marketing. Wichtig dürften außerdem Details sein, wie Preis etc. Sobald diese enthalten sind, erhärtet sich der Verdacht auf Schleichwerbung. Einen sicheren Weg gibt es derzeit aber noch nicht.

Warum müssen Unternehmen überhaupt zahlen?

Sobald ein Gericht entscheidet, dass es sich bei einem Beitrag um gewerbliche Werbung handelt, gelten auch die Gesetze, von denen Privatpersonen sonst weitgehend unberührt bleiben. Ein fehlendes Impressum (auf privaten Profilen logisch) kann nun plötzlich zum Problem werden.
In dem aktuellen Fall, hat der Mitarbeiter zwar die Motorleistung der angepriesenen Fahrzeuge angegeben, jedoch nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Verbrauchswerte. Dieser Fehler ist abmahnfähig und kann für das Autohaus unter Umständen teuer werden.

Was ist die Lösung für Unternehmen?

Arbeitgeber sollten auf jeden Fall für Aufklärung im Unternehmen sorgen. Verlinkungen und Beiträge, die konkrete Angebote, Sonderrabatte etc. enthalten, sollten vom Unternehmen ausdrücklich untersagt werden.
Wem dies zu weit geht, der kann seine Mitarbeiter auch daraufhin schulen, in den Beiträgen stets zu betonen, dass sie nur für sich sprechen und nicht im Namen des Unternehmens. Inwiefern das hilfreich ist, wird sich jedoch erst noch zeigen müssen.

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